Auch in kleinen Arzt- und Zahnarztpraxen gehört die Praxisberatung in betriebswirtschaftlichen Dingen
08 Dezember 2013

Berater rechnen sich nicht

Fakt oder Weihnachtsmärchen?

Die Fragestellung scheint sich zu erübrigen, legt man die gängige Meinung der ca. 144.000 niedergelassenen Ärzte und ca. 88.000 niedergelassenen Zahnärzte zugrunde. Von „Wir sind wieder einmal die Zielgruppe einer neuen Branche, die sich mit uns eine goldene Nase verdienen will“ über „Bei uns läuft alles super – wir brauchen so etwas nicht“ bis hin zum „Die haben ja eh keine Ahnung wie es wirklich bei uns aussieht“ ist alles vertreten.

Bei dem Wort Berater bekommt natürlich jeder Mensch Aknepickel und Extrasystolen. Wenn man so manch Geschichte aus der Wirtschaftswelt hört, durchaus verständlich. Berater verschlingen Unsummen, kommen entweder zur früh in ein Unternehmen oder zu spät. Zeckenähnlich beißen sie sich fest. Oft steht irgendein Interessenverband oder eine Lobby hintenan. Stuttgart 21 und Flughafen Berlin machen es im großen Stil vor.

Und jetzt infiltriert diese Spezies auch noch die Leistungserbringer im Gesundheitswesen. Speziell immer häufiger die niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte. Wir Berater kommen aus der Betriebswirtschaft, dem kaufmännischen Bereich, dem Steuer-, Versicherungs- und Bankwesen, der Psychologie, Soziologie, ja sogar der Theologie. Wir haben Master- und Bachelorabschlüsse, Diplome, sind promoviert, habilitiert, oder einfach nur schnittige, mitdenkende und erfahrene ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Konstrukten im Gesundheitswesen, welche in ihrer Arbeit als KrankenpflegerIN, (Zahnarzt(HelferIN) oder sogar als (Zahn)MedizinerIN selbst jahrelang die Defizite am eigenen Leib erfahren haben und die (Gesundheits)Welt verbessern wollen.

Immer mehr bisher nie dem Gesundheitswesen zugeordnete Menschen orientieren sich um und beginnen berufsbegleitend mit Umschulungen und Studiengängen zu Gesundheitsmanagement, Gesundheitsökonomie und anderen wohlklingenden Wissenschaftsbereichen für das deutsche Gesundheitswesen. Vielleicht ist die jetzige Bibliothekarin einfach genervt, immer so lange im Wartezimmer sitzen zu müssen, wohl beobachtend, dass ihre Bücher akribischer sortiert und dokumentiert sind als die Patientenunterlagen. Vielleicht ist dem Automechaniker bei seinem letzten Arztbesuch aufgefallen, wie viel Technik vorhanden ist, aber der Motor nicht richtig funktioniert.

Egal wie, es gibt uns. Und es werden wohl immer mehr. Wer nun der bessere Berater ist – diese Frage zu eruieren überlasse ich dem geneigten Leser. Reichen Theorie und Methodenreichtum aus? Ist es die Erfahrung durch viele Kundenaufträge? Die eigene Affinität zum (Zahn)Medizinertum durch jahrelanges Arbeiten mitten im Geschehen? Eine Kombination aus allem? Rundblick auf alle Bereiche in einer (Zahn)Arztpraxis? Oder nur Spezialisierungen? Lösungsmöglichkeiten aus dem Lehrbuch? Für alle immer wieder geltend? Oder Individualität?

Wann ein Berater hinzugezogen werden sollte? Das ist so eine Geschichte. Gleich zu Beginn bzw. schon VOR der Praxisgründung? Nach ein paar Jährchen? Oder erst, wenn es so richtig knallt? Wann beginnt Optimierung? Wann Sanierung? Saniere ich nicht schon durch eine frühzeitige Optimierung?

Schon der gute alte Perikles wusste um die Vorteile der Beratung:

Wir Athener betrachten Beratungen nicht als Hindernisse auf dem Weg des Handelns, sondern wir halten sie für notwendige Voraussetzungen weisen Handelns.

Also geht es um die Möglichkeit das praxiseigene Handeln weiser zu machen? Ja. Der Blick von Außen macht es! Selbst steckt man zu sehr in allen Rollen und Gewohnheiten fest. Das Alltagsgeschäft überrollt uns jeden Tag. Haben Sie einen zu Ihnen und Ihrer Praxis passenden Berater gefunden, bringt dieser Sie bestenfalls auf den richtigen Weg. Den für SIE richtigen Weg. Er analysiert vorhandenes, gibt Denkanstöße, zeigt neue Wege auf, unterstützt, begleitet und motiviert Sie. Das wird einige Zeit beanspruchen. „Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten“ sagte schon Thomas von Aquin. Sie haben den größten Teil der Arbeit, das wissen wir. Aber setzen Sie mit Ihrem Berater gemeinsam die Optimierung um, dann hat er sich schon nach kurzer Zeit amortisiert. Und Sie wissen, dass Veränderungen wichtig sind und gut tun. Für die nächsten benötigen Sie vielleicht schon keine Berater mehr :-)

Stagnation ist der Anfang vom Ende! (Sokrates)