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08 Februar 2014

Ich bin (Zahn)Arzt – und kein Unternehmer

Das Mantra des (Zahn)Mediziners

„Drei Gesichter hat der Arzt; das eines Engels, wenn er um Rat gebeten wird; das eines Gottes gar, wenn er hilft; das eines entsetzlichen und schrecklichen Satans aber, sobald er sein Honorar einfordert“ Euricus Cordus, 16. Jhdt.

Schon im 16. Jhd. wagten sich Ärzte gegen Bezahlung ihre Dienstleistung feil zu bieten. Wieso haben im 21. Jhd. also immer noch so viele Menschen dieser Gruppe ein Problem damit? Vor allem, wenn es darum geht, ihre Praxis als kleines Unternehmen zu sehen?

Sie als (Zahn)arzt/(Zahn)ärztin fallen per Definition in die Kategorie eines Freiberuflers.  Was einen Freiberufler ausmacht, ist wohl bekannt. „Die freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt“ (§ 1 Abs. 2 PartGG). Hört sich sehr hochtrabend an. Nichtsdestotrotz möchte ich – wie viele vor mir auch schon – klarstellen, dass Sie als Praxisinhaber/in auch Unternehmer(in) sind.

Egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibender – im Sinne des § 14 BGB  ist ein Selbstständiger dann ein Unternehmer, wenn er bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit handelt. Entscheidend ist das konkrete Rechtsgeschäft, also z. B. das Schließen eines Vertrages. Im Falle eines (Zahn)Arztes liegt hier der Behandlervertrag zugrunde.

Ich höre schon das Stöhnen, ob der juristischen Spitzfindigkeiten.

Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, aber auch Hebammen, Heilpraktiker, Rechtsanwälte, Steuerberater oder Ingenieure und Wissenschaftler gehören zu diesen Katalogberufen. Sie wissen ja, in Deutschland wird besonders viel Wert auf Reglements und tolle Gesetzestexte gelegt. Deshalb möchte ich Ihnen zumindest den folgenden Passus aus dem Bewertungsgesetz nicht vorenthalten: Freie Berufe sind den gewerblichen Betrieben gleichgestellt“ Quod erat demonstrandum und zwar im Schweinsgalopp.

Gratulation, Sie sind Unternehmer/in! Zumal Sie auch noch Mitarbeiter(innen) beschäftigen. Und mit Ihrer Praxis tatsächlich Umsatz machen. Machen müssen. Die meisten von Ihnen haben zur Praxigründung oder -übernahme ein Darlehen aufnehmen müssen. Für Einrichtung, Geräte etc. Ihre Hilfsmittel zur Berufsausübung am Patienten. Die Bank will ihr Geld wieder zurück haben, die Mitarbeiter wollen auch mehr als einen feuchten Händedruck. Und das Finanzamt erst. Und dann soll ja auch noch was übrig bleiben für Sie selbst und Ihre Familie. Sie müssen also, wie jede Hausfrau auch, wirtschaften und organisieren.

Hallo? Sind Sie noch da? Übergehen Sie die Extrasystolen und legen Sie die schiere Verzweiflung mal beiseite.

Wenn es eine Hausfrau kann, dann doch erst recht Sie!

Stellen Sie als erstes fest, wie viel Sie bzw. Ihre Arbeit in der Stunde/Minute wert ist. Das soll immer die Grundlage für den Dreisatz sein, den Sie permanent anwenden. Ein kleiner Tipp, es gibt auch eine Mischkalkulation. Die sollte auch zu tragen kommen. Damit verhindern Sie Gefühle der Verzweiflung, die bestimmt ab und an über Sie kommen ob der Leistungsvergütung, gerade bei Kassenpatienten.
Lesen Sie sich ein paar betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse an, löchern Sie damit Ihren Steuerberater.
Ändern Sie Ihren Standpunkt. Sehen Sie sich nicht als Gefangener in einer oktroyierten Struktur. Sie sind der Partner Ihrer Patienten. Sie bilden sich regelmäßig weiter und schauen über den Tellerrand hinaus. Sind eben schneller als die Kassen und Versicherungen, die gar nicht oder nur ganz langsam mit der Schnelligkeit der Wissenschaft mithalten. Das ist der Mehrwert, den Sie Ihren Patienten bieten. Der darf auch extra Kosten – in den Leistungen, die Sie anbieten.
In der Praxisführung kombinieren Sie gesunden Menschenverstand und Tipps der Profis. Tante Google hält wirklich sehr viel parat. Sie legen Ihre Ziele und die Rahmenbedingungen fest.

Sie glauben immer noch nicht, dass Sie ein kleines Unternehmen führen können?
Spielen Sie einmal folgendes Spiel: Planen Sie einen Bankraub
Wie würden Sie vorgehen? Schreiben Sie es auf. Gerne auch hier über die Kommentarfunktion ;-)
Die Auflösung kommt später! Bis dahin – gutes Gelingen